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Physiotherapie in den Zeiten von Corona
Unser Physiotherapeut Thomas Wasmer blickt auf die vergangenen Wochen und Monate zurück

„Wir geben weiterhin alles“
Angst nehmen und aufklären: Thomas Wasmer erinnert sich noch ganz genau an die Tage nach dem Lockdown. Er und seine Kolleginnen und Kollegen des Rehazentrums Lörrach-Haagen waren plötzlich nicht nur als Physiotherapeuten, sondern gleichermaßen auch als Psychologen gefordert. „Wir haben noch mehr mit den Patienten geredet, haben sie über das Virus aufgeklärt und ihnen erzählt, wie man sich selbst am besten schützen kann.“ Viele Fragen wurden beantwortet. Fast jeder Patient wollte Antworten, war sich unsicher, der eine oder andere sogar ängstlich.

Das Corona-Virus brachte Mitte März das „normale“ Leben in Deutschland fast vollständig zum Erliegen. Von jetzt auf gleich. „Irgendwie hat man damit gar nicht gerechnet, aber plötzlich war es soweit“, erzählt der 30-Jährige. Restaurants und Läden mussten dicht machen, private Treffen wurden verboten und Fitnessstudios schlossen ihre Türen. Davon betroffen war auch das erst kurz zuvor eröffnete „Pure Medical Fitness“, nicht aber das Rehazentrum Lörrach-Haagen, das ja schließlich eine systemrelevante Einrichtung darstellt. Hier lief der Betrieb ganz normal weiter. Doch von Normalität konnte man in diesem Frühjahr beileibe nicht sprechen.

„Wir haben einen rapiden Einbruch der Patientenzahlen verbuchen müssen“, blickt der Inzlinger zurück. Während also viele Reha-Patienten aus Furcht vor Ansteckungen zuhause blieben, bekamen die Beschäftigten des Rehazentrums immer wieder neue Vorschriften und Regelungen vorgelegt. „Man kam morgens zur Tür rein und wurde immer wieder mit Neuerungen begrüßt“, sagt Wasmer, der indes die „gute Kommunikation“ innerhalb des Rehazentrums lobt. „Wir waren immer auf dem neuesten Stand.“

Viele Hygienevorschriften wurden jedoch bereits vor der Corona-Pandemie in die Tat umgesetzt. „Der Standard bei uns war schon vorher sehr hoch. Nach jeder Behandlung wurden und werden die Hände gewaschen und desinfiziert, genauso die Therapieliegen“, macht Wasmer klar. Neu war allerdings die Verordnung zum Tragen eines Mund-/Nasenschutzes für den Therapeuten selbst und auch die Patienten, die ebenfalls aktiv zum Händewaschen und Desinfizieren aufgefordert wurden und noch immer werden. „Das ist für mich noch immer eine Herausforderung. Die Mimik der Patienten während der Physio-Behandlung ist für mich eine wichtige Komponente. Diese geht mit dem Tragen der Masken natürlich komplett verloren“, erzählt Wasmer.

Die Folgen, die eine Corona-Infektion zur Folge haben kann, brachten auch ihn ins Grübeln. „Mein Opa ist 89 Jahre alt. Wir leben in einem Mehrgenerationenhaus. Das war schon ein großes Thema für mich.“ Seine Sorgen und Zweifel konnte er indes im Team offen ansprechen. „Das war wichtig. Man konnte mit allen Arbeitskolleginnen und –kollegen reden und diskutieren. Sorgen und Nöte wurden angesprochen und jeder hatte Verständnis. Wir haben ein tolles Verhältnis untereinander, stehen eng zueinander. Das ist wirklich nicht selbstverständlich.“ Wasmer begegnet dem neuartigen Virus, der die ganze Welt beschäftigt, mit dem nötigen Respekt. „Ich habe aber keine Angst oder verfalle in Panik.“ Seinem Opa ist er in all der Zeit auch nicht aus dem Weg gegangen. „Das ist in unserem Haus auch gar nicht möglich. Wir haben aber Abstand gehalten.“

In der Zwischenzeit sind auch die Patienten wieder zu den dringend erforderlichen Therapien zurückgekehrt. „Das ist wichtig. Denn Bewegung ist das A und O“, sagt Wasmer. Und so wurde mit allen Patienten zu Beginn der Corona-Krise Kontakt aufgenommen. Der eine oder andere habe eine Mail mit einem spezifischen Reha-Programm bekommen. Standardübungen wurden zudem mitgegeben. „Dafür waren alle doch sehr, sehr dankbar.“ Am Ball zu bleiben, sei gerade nach Operationen äußerst wichtig. Künstliche Knie oder Hüftgelenke sollten mobilisiert werden, sonst bestehe die Gefahr einer „Einsteifung“. Und dann wäre das „outcome“ deutlich schlechter. Auf Deutsch: Das Ergebnis ist nicht so, wie es sein sollte. Auf Dauer müsse man dann sogar mit Folgeschäden rechnen. Etwa mit „Einschränkungen in der Bewegung“, wie Wasmer deutlich macht.

Auch wurde per Videokonferenz die eine oder andere Einheit ins heimische Wohnzimmer gebracht. So auch bei einer Dame aus Frankreich, die sich den Ellenbogen gebrochen hatte und unter Anleitung Therapiestunden zuhause absolvierte. Auch das war eine Umstellung für Wasmer & Co. „Ich schaue mir den Patienten genau an und untersuche ihn, gucke, ob das Gelenk steif ist oder die Kapsel etwas abbekommen hat. Jetzt müssen wir das eine oder andere Mal vom Bildschirm aus entsprechend beurteilen.“

Wasmer selbst ist Migräne-Patient und ist seit Jahren deshalb in Behandlung. Nach langer Zeit erlitt er kürzlich wieder einen Anfall. „Es kann schon sein, dass es von den Masken kommt. Die tragen wir ja quasi acht Stunden am Tag“, sagt der Co-Trainer des Fußball-Verbandsligisten FV Lörrach-Brombach. „Ich bekomme weniger Luft. Aber ich muss und werde es tragen“, macht er klar. Und so gehe er in der Freizeit gerne ganz ohne Maske an die frische Luft. „Ich mache immer irgendetwas draußen. Gehe eine Runde joggen oder im Grütt gemütlich spazieren. Da kann ich abschalten. Ich nehme dann die Arbeit nicht mit nach Hause, dort will ich Zeit mit der Familie und der Freundin verbringen.“

Der dreiwöchige Urlaub auf den Philippinen Ende Juni ist aufgrund der Pandemie natürlich gecancelt. Das macht seiner guten Laune indes keinen Abbruch. Und davon profitieren auch die Patienten. Wasmer, der seit Ende 2017 im Rehazentrum beschäftigt ist, fühlt sich hier pudel wohl. Physiotherapeut ist noch immer sein Traumjob. „Als ich mich selbst mit Meniskusrissen herumschlug, habe ich gemerkt, wie cool es ist, Menschen zu helfen, sie schnell wieder fit zu machen.“ Vor allem die Arbeit mit Sportlern mache ihm enormen Spaß. „Das ist mein Steckenpferd“, grinst er und freut sich schon auf den nächsten Patienten. Diese übrigens dürfen sich vor einer Behandlung nicht in Risikogebieten aufgehalten haben, keine entsprechenden Symptome aufweisen und auch keine Begleitpersonen mitnehmen, außer es ist medizinisch notwendig.

Bei allen Einschränkungen, Neuregelungen und Anpassungen. Im Rehazentrum wird weiterhin nicht an der Gesundheit gespart. „Wir geben weiterhin alles“ verspricht Thomas Wasmer. Und den Lockerungen seit Dank: Seit dem 2. Juni ist auch das Fitnessstudio wieder geöffnet und damit ein Stück mehr Normalität in das schmucke Gebäude auf dem Areal der ehemaligen Spinnerei zurückgekehrt.